Blackout 72 Stunden vorbereiten
der 7-Säulen-Plan
Was du für 72 Stunden ohne Strom brauchst: Wasser, Essen, Strom, Wärme, Kommunikation, Hygiene. Nach BBK-Empfehlungen durchgerechnet.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt 10 Tage Vorrat. Für viele Haushalte ist das auf einen Schlag zu viel (zu viel Geld, zu viel Lagerplatz, zu viel Komplexität). Die Folge: Sie tun gar nichts.
Dieser Artikel beschreibt den realistischen Einstieg: 72 Stunden komplett autark. Das ist die Zeitspanne, die statistisch 95 % aller großflächigen Stromausfälle in DACH abdeckt. Der Berliner Blackout im Januar 2026 dauerte 104 Stunden und gehörte schon zu den Ausreißern. Wer 72 Stunden kann, hat 80 % der realistischen Lage abgedeckt. Wer 10 Tage will, kann später aufstocken.
Die folgenden sieben Säulen entsprechen den BBK-Kategorien, skaliert auf 72 Stunden und für einen typischen DACH-Haushalt (2 Erwachsene + 2 Kinder) durchgerechnet.
Was 72 Stunden ohne Strom konkret bedeuten
Die ersten drei Tage eines flächendeckenden Stromausfalls folgen einer vorhersagbaren Kaskade. Das ist nicht Panikmache, sondern technische Konsequenz:
| Stunde | Was ausfällt |
|---|---|
| 0–2 h | Beleuchtung, Internet, Kühlschrank-Kompressor (Inhalt hält noch) |
| 2–4 h | Mobilfunk-Basisstationen (Akku-Puffer leer), Bankautomaten, Tankstellen |
| 4–8 h | Wasserversorgung in Mehrfamilienhäusern (Druckverlust nach Pumpen-Aus) |
| 8–24 h | Heizung (Umwälzpumpe braucht Strom), erste Lebensmittel im Kühlschrank verderben |
| 24–48 h | Trinkwasserqualität in Leitungen sinkt, mobile Daten weitgehend tot, kein Bargeld-Nachschub |
| 48–72 h | Apotheken nur eingeschränkt erreichbar, erste Engpässe in Krankenhäusern |
Wer die ersten 72 Stunden ohne externe Hilfe übersteht, gibt den Behörden Zeit, Notinfrastruktur (mobile Stromaggregate, Notbrunnen, Lebensmittel-Verteilung) aufzubauen. Genau dafür ist die 72-Stunden-Marke das psychologisch und logistisch sinnvolle Einstiegsziel.
Säule 1 - Wasser
Das Wichtigste zuerst, weil Wasser-Mangel als Erstes lebensbedrohlich wird.
BBK-Faustformel: 2 Liter Trinken + 0,5 Liter Kochen + 5–10 Liter Hygiene pro Person und Tag.
| Person | Trinken (72 h) | Kochen (72 h) | Hygiene (72 h) | Gesamt |
|---|---|---|---|---|
| Erwachsener | 6 L | 1,5 L | 15–30 L | 22,5–37,5 L |
| Kind | 4 L | 1 L | 10–20 L | 15–25 L |
Für eine 4-köpfige Familie: rund 75–125 Liter für 72 Stunden, davon mindestens 20 Liter Trinkwasser in original verschlossenen Flaschen.
Pragmatischer Mindest-Ansatz: 20 L Trinkwasser in 1,5-L-Flaschen plus einen Sawyer Mini oder LifeStraw Family Wasserfilter. Damit kannst du Regenwasser, See- oder Bachwasser nachträglich trinkbar machen und brauchst nicht die vollen 125 Liter auf Vorrat.
Säule 2 - Essen
Bei Lebensmitteln gilt: Nur lagern, was die Familie ohnehin isst. Spezial-Prepper-Notnahrung verstaubt jahrelang und wird im Ernstfall trotzdem nicht gegessen.
Empfohlene Basis für 72 h Familie:
- 3 kg Brot, Knäckebrot oder Zwieback (lange haltbar)
- 1,5 kg Pasta + 600 g Reis
- 6 Dosen Suppe / Eintopf (à 800 g)
- 1 kg Müsli / Haferflocken
- 12 Dosen Gemüse + 6 Dosen Obst
- 2 kg H-Milch oder Pulver
- 500 g Hartkäse, 500 g Hartwurst
- 6 Tafeln Schokolade (Kalorien-Dichte für Kinder)
Kochen ohne Strom: Ein kleiner Gaskocher mit 2 Butan-Kartuschen reicht für 4-5 warme Mahlzeiten, etwa 15 €. Alternativen: Trangia-Spiritus-Kocher, Esbit-Tabletten. Niemals Holzkohle-Grill im Innenraum (CO-Vergiftung).
Die volle BBK-Liste für 4 Personen über 10 Tage haben wir in unserem Artikel zum Notvorrat für eine 4-köpfige Familie durchgerechnet, inklusive Mengen-Korrekturen wo die BBK-Liste über- oder untertreibt.
Für die personalisierte 72-h-Liste für deinen konkreten Haushalt (Allergien, Kinder, Vegetarier) gibt es den interaktiven Generator:
Säule 3 - Strom
Hier wird der Unterschied zwischen “leidlich übersteht” und “komfortabel überbrückt” am größten.
Mindest-Bedarf 72 h, 4-köpfige Familie:
| Verbraucher | Watt | Stunden/Tag | Wh/Tag | Wh/72 h |
|---|---|---|---|---|
| Kühlschrank | 50 | 24 | 1.200 | 3.600 |
| WLAN-Router + ONT | 15 | 24 | 360 | 1.080 |
| LED-Licht (3 Zimmer) | 30 | 6 | 180 | 540 |
| Smartphones laden (×4) | 40 | 4 | 160 | 480 |
| DAB+ Radio | 8 | 6 | 48 | 144 |
| Laptop | 60 | 4 | 240 | 720 |
| Summe | 2.188 | 6.564 |
Macht rund 6,5 kWh für 72 Stunden Basis-Versorgung. Mit Wasserkocher (300 Wh/Tag) oder Mikrowelle (200 Wh/Tag) entsprechend mehr.
Powerstation-Empfehlungen je Anspruch:
- Knapp-aber-funktional (1 kWh-Klasse): Jackery Explorer 1000 v2. Reicht für Kühlschrank + Kommunikation rund 30 Stunden. Mit getaktetem Kühlschrank-Betrieb (4h an, 4h aus) und 200-W-Solarpanel-Nachladung kommt man über 72 Stunden.
- Komfortabel (1 kWh + Solar): EcoFlow Delta 2 plus 400-W-Solarpanel. Bei brauchbarem Wetter komplett autark.
- Volle Autarkie (4 kWh-Klasse): EcoFlow Delta Pro 3. Alleine deckt sie den 72-h-Bedarf eines Mittelklasse-Haushalts auch ohne Solar-Nachladung.
- Maximaler Solar-Input für Dauerautarkie: Bluetti Elite 100 V2 mit 1.000 W Solar-Input. Ideal wenn du planst, das Setup über 72 Stunden hinaus laufen zu lassen.
Den exakten Bedarf für deinen Haushalt kannst du im Watt-Bedarf-Rechner durchspielen. Er nimmt deine konkreten Geräte, errechnet Watt-Bedarf und schlägt die passende Powerstation aus der Datenbank vor:
Säule 4 - Wärme
Im Sommer eine Randnotiz, im Winter überlebenswichtig. Eine Gas-, Öl- oder Pellet-Heizung steht ohne Strom still, weil die Umwälzpumpe und die Steuerelektronik Netzspannung brauchen.
72-h-Wärme-Plan:
- Mindest-Variante: Warme Kleidung in Schichten, Schlafsäcke (auch tagsüber tragen), ein Raum als “Warmer Raum” definieren, Türen geschlossen halten, Fenster mit Decken isolieren.
- Mit Powerstation: Eine Heizdecke (60 W) und eine Powerstation = 8 Stunden lokales Heizen pro 1 kWh. Reicht für 3 Nächte deutlich kuscheligerer Schlaf.
- Kategorisch NICHT: Kerzen oder Petroleum-Lampen über längere Zeit als Heizquelle (CO + Brandgefahr), Holzkohle-Grill im Wohnraum (lebensgefährlich), Heizlüfter dauerhaft an Powerstation (verbraucht das gesamte 1-kWh-Budget in 30 Minuten).
- Wenn vorhanden: Holzofen oder Pellet-Ofen mit Schwerkraft-Funktion (kein Strom nötig). Gold wert im Winter-Blackout.
Säule 5 - Kommunikation
Mobilfunk fällt nach 2–4 Stunden aus, weil die Basisstationen nur kleine Akkus haben. Was geht trotzdem?
Mindest-Set:
- DAB+ Kurbelradio (8 W bei Batterie-Betrieb, alternativ Kurbel/Solar). Behörden-Durchsagen kommen primär hier
- Smartphones mit Powerstation geladen (Notruf 112 funktioniert oft auch, wenn dein eigener Netzbetreiber down ist, weil das Handy automatisch in andere Netze roamt)
- Schriftliche Notfallkontakte im Geldbeutel (Adressen + Telefonnummern auf Papier)
- Treffpunkt-Plan mit der Familie vorher abgesprochen (Schule, Arbeitsstelle, Heimweg)
Pro-Tipp: Ein altes Tasten-Handy mit klassischem Akku (~30 Tage Standby) als Familien-Notfall-Telefon, kostet 25 €, läuft eine Woche ohne Laden.
Säule 6 - Beleuchtung
Wenig diskutiert, aber massiv lebensqualitäts-relevant. In der dunklen Wohnung wird aus 72 Stunden gefühlt eine Woche.
Empfohlenes Setup:
- 3–4 LED-Stirnlampen (eine pro Familienmitglied) mit AAA-Batterien für 50 h Laufzeit, etwa 15 € pro Stück
- 2 LED-Campinglampen für Tische / Räume, etwa 20 € pro Stück
- 20 AAA + 10 AA Batterien im Vorrat (Lithium-Batterien halten 10+ Jahre)
- Optional: 1 Solar-Lampe mit USB-Ladefunktion (lädt tagsüber am Fenster)
Klassische Kerzen sind als Backup ok, aber: Brandgefahr in einer ungewohnten Dunkelheit, besonders mit Kindern oder Haustieren. LED ist sicherer und länger.
Säule 7 - Erste Hilfe & Hygiene
Was sich in 72 Stunden ändert: Bei kleineren Verletzungen ist die Apotheke evtl. nicht erreichbar, Hand-Hygiene wird wichtiger (Wasser ist rationiert).
Mindest-Set:
- Erste-Hilfe-Kasten nach DIN 13157 (etwa 25 €, bei Aldi/Lidl regelmäßig im Angebot)
- 2 Wochen Dauer-Medikamente (jeder verschreibungspflichtige Stoff im Haushalt mit Reserve)
- Schmerzmittel + Fiebersenker (Paracetamol, Ibuprofen)
- Desinfektionsmittel (250 ml) + Wundauflagen + Mullbinden
- Feuchttücher (Ersatz für Duschen wenn Wasser knapp)
- Toilettenpapier (mindestens 1 Rolle pro Person, also 4 Rollen für Familie)
- Müllsäcke (für Notfall-Toilette wenn Wasser-Spülung nicht mehr funktioniert)
- Hygiene-Artikel für Frauen und Babys, je nach Familienkonstellation
Der 72-h-Plan auf einen Blick - Familie (4 Personen)
| Säule | Kern-Investition | Budget |
|---|---|---|
| Wasser | 20 L Trinkwasser + Sawyer Mini Filter | 40 € |
| Essen | Rotations-Vorrat + Gaskocher mit 2 Kartuschen | 100 € |
| Strom | Jackery 1000 v2 + 200-W-Panel | 1.100 € |
| Wärme | Heizdecke + Wolldecken | 80 € |
| Kommunikation | DAB+ Kurbelradio + Notruf-Liste | 50 € |
| Beleuchtung | 4 Stirnlampen + 2 Campinglampen + Batterien | 130 € |
| Hygiene | DIN-Erste-Hilfe + Vorrats-Aufstockung | 100 € |
| Summe (einmalig) | ~1.600 € |
Knapp 1.600 € einmalig für eine 4-köpfige Familie. Etwa der Preis eines mittleren Smartphones. Der Großteil des Geldes (1.100 €) entfällt auf Strom. Wer hier kürzt, kann den Plan auf 700–800 € drücken, akzeptiert dafür aber weniger Komfort bei Kühlschrank, Internet und Beleuchtung.
Wie krisenfest ist dein Haushalt aktuell?
Bevor du loslegst und Listen abarbeitest: Mach den Bestand-Check. Der Blackout-Simulator stellt 13 Fragen zu deinem Haushalt, deiner Wohnsituation und deinem aktuellen Vorrat und liefert einen Krisenfest-Score 0–100 plus eine Liste mit deinen konkreten Lücken.
So weißt du am Ende nicht nur, was BBK-Standard ist, sondern wo bei dir tatsächlich die größten Lücken sind. Damit kannst du dein Budget gezielt darauf richten.
Nach den 72 Stunden - der Weg zu 10 Tagen
Wer 72 Stunden hat, ist 80 % der realistischen Lage abgedeckt. Wer auf BBK-empfohlene 10 Tage aufstocken will, multipliziert die meisten Mengen mit 3,3 (Wasser, Essen, Batterien, Hygiene). Beim Strom skaliert das nicht linear: Hier kommen Solarpanels und größere Powerstation-Kapazität ins Spiel. Details in unserem Artikel zur Solaranlage für Powerstation.
Aber zuerst: 72 Stunden. Wenn dieser Plan steht, hast du die psychologisch wichtigste Hürde genommen. Du bist nicht mehr “unvorbereitet”, sondern hast einen Plan, der trägt.
Häufige Fragen
Wie lange hält der durchschnittliche Stromausfall in DACH?
95 Prozent aller großflächigen Stromausfälle in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind nach 72 Stunden behoben. Lokale Ausfälle dauern typischerweise wenige Stunden, regionale Ausfälle bis zu einem Tag. Längere Blackouts sind selten, aber möglich: Der Iberia-Blackout im April 2025 dauerte 10 bis 12 Stunden, der Berliner Blackout im Januar 2026 mit 104 Stunden gehörte zu den Ausreißern. Die 72-Stunden-Marke ist deshalb die psychologisch und logistisch sinnvolle Einstiegsschwelle für die Krisenvorsorge.
Wieviel Wasser braucht eine vierköpfige Familie für 72 Stunden?
Nach BBK-Formel rechnen wir mit 2 Litern Trinken plus 0,5 Litern Kochen plus 5 bis 10 Litern Hygiene pro Person und Tag. Für vier Personen über 72 Stunden ergibt das rund 75 bis 125 Liter, davon mindestens 20 Liter Trinkwasser in original verschlossenen Flaschen. Pragmatisch reichen 20 Liter Flaschenwasser plus ein zertifizierter Wasserfilter wie Sawyer Mini oder LifeStraw Family, mit dem Regenwasser, Bach- oder Leitungswasser im Zweifel nachträglich aufbereitet werden kann.
Welche Powerstation reicht für 72 Stunden Notstrom?
Für einen Vier-Personen-Haushalt mit Kühlschrank, WLAN-Router, LED-Beleuchtung und Smartphone-Ladung über 72 Stunden brauchst du mindestens 2.500 Wattstunden nutzbare Kapazität (typischer Verbrauch rund 1.850 Wh über 24 Stunden, mal 3 Tage, plus 20 Prozent Sicherheitspuffer für Wechselrichter-Verluste). Eine Powerstation der 2.000-Wh-Klasse mit zusätzlicher Solar-Nachladung über ein 200-Watt-Panel ist die realistische Untergrenze. Konkrete Berechnung im Watt-Bedarf-Rechner.
Reicht es, nur Wasser und Konserven zu lagern?
Nein. Der BBK-Plan umfasst sieben Säulen: Wasser, Lebensmittel, Notstrom, Heizung, Kommunikation, Hygiene und Medikamente. Wer nur Wasser und Konserven hat, ist im Winter ab Tag 1 ohne Heizung, kommt nach 4 Stunden ohne Strom nicht mehr an Lebensmittel im Kühlschrank, hat nach 24 Stunden kein Mobilfunk mehr und keinerlei Information über die Lage. Echte Resilienz entsteht erst, wenn alle sieben Säulen abgedeckt sind, auch wenn jede einzelne nur minimal ausgestattet ist.
Was ist der Unterschied zwischen 72-Stunden-Vorrat und BBK-10-Tage-Empfehlung?
Das BBK empfiehlt 10 Tage Vorrat pro Haushalt. Diese Empfehlung deckt auch seltene, langanhaltende Krisen ab (Pandemie-Lockdown, mehrtägiger Winter-Blackout). Der 72-Stunden-Vorrat ist der pragmatische Einstieg: Wer ihn schafft, hat statistisch 95 Prozent aller großflächigen DACH-Stromausfälle abgedeckt, gibt den Behörden Zeit für Notinfrastruktur und kann später schrittweise auf 10 Tage aufstocken. Krisen-Rechner empfiehlt 72 Stunden als Pflichtprogramm und 10 Tage als Ziel.